Boot und Fun Berlin 2011

Boot und Fun Berlin 2011: Ein neues Motorenkonzept für Außenborder entwickelt die Berliner Firma Arens Motoren. Der RVI Außenborder wird deutlich leichter und schlanker ausfallen als am Martk verfügbare Lösungen.

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Quelle: AQUA - Das Wassersportmagazin

20. Oktober 2011 - Auferstehung des Zweitakters

Die Berliner Firma Arens hat den Motor stubenrein gemacht / Ab 2013 auf dem Markt

Der Zweitaktmotor ist Geschichte, er "war nicht das Goldene vom Ei", sagt Sven Fuhrmann vom Trabantclub Weißwasser. Dem Zweitaktmotor gehört die Zukunft, "wenn er so sauber und leistungsstark ist wie unserer", schwören Vater Holger und Sohn Lars Arens. 2013 wollen sie einen 30-PSBootsmotor auf den Markt bringen. Es wäre der erste deutsche Bootsmotor seit Jahrzehnten.

Er ist laut, er stinkt, seine Emissionswerte bekommt niemand in den Griff. So lauten die heute gängigen Urteile über den Zweitaktmotor, der den Lausitzern aus Trabant und Wartburg noch bestens bekannt ist und der als "Forelle" auch Boote antrieb. Sogar Sven Fuhrmann, der als einer der Macher im Trabantclub Weißwasser viel übrig hat für automobile Nostalgie, glaubt nicht an eine Renaissance des Zweitaktprinzips. Zwar verursache ein Zweitakter wenig Stickoxide, aber insgesamt seien die Emissionen zu hoch. Als Alternative zum Viertakter sieht Fuhrmann da schon eher den Wankelmotor. "Wenn der weiterentwickelt würde, das wäre klasse."

Neues Urteil

Vielleicht irrt Fuhrmann aber auch. Denn es gibt ein neues Urteil über den Zweitakter: Er ist leise, sauber und  emissionsarm wie ein Viertakter, dabei aber viel leichter und kompakter, versichern Holger und Lars Arens, die in Berlin-Weißensee eine eigene Metallbaufirma führen. Die Arens' besitzen eine lange Familientradition im Zweitakt-Motorenbau. Großvater Rudolf hat bereits in den 1960er-Jahren solche Motoren gewartet und weiterentwickelt, erst für K-Wagen, dann für Rennboote. Holger Arens stellte in den 1980er-Jahren sogar eigene Rennboot-Motoren her. Er gehörte zum DDR-Nationalteam im Rennbootsport. Sohn Lars, der Maschinenbau studierte, hat nach einer längeren Pause die Arens-Motorenentwicklung neu belebt.

Für normale Boote bestimmt

Der 30-PS-Zweizylinder-BoxerMotor, der unter seiner Federführung entstand und derzeit den letzten Feinschliff erhält, ist für normale Boote bestimmt. Er soll auf den Binnengewässern zur Dominanz von Antrieben aus Japan und den USA eine Alternative bieten, die es in sich hat. Weltweit erstmals werde bei einem Motorenwinzling von nur 250 Kubikzentimetern Hubraum eine Hochdruck-Direkteinspritzung realisiert, erklärt Lars Arens. Er spricht von Drücken zwischen 100 bis 120 Bar. Die Pumpe dafür ist eine Eigenentwicklung. Geplant sind auch Ein und Vierzylinder-Motoren mit einer Leistungsspanne von zehn bis 100 PS. Im Vergleich zu Viertaktern, die über mehr Bauteile wie Ventile und Nockenwelle ver fügen, liegt die Gewichtsersparnis je nach Motorvariante zwischen 20 und 40 Prozent. Aber ist der Motor wirklich sauber? Das Hauptproblem der alten Vergaser-Zweitaktmotoren besteht in der unvoll ständigen Verbrennung des augesaugten Kraftstoff-Luftgemischs. Ein kleiner Teil des Gemischs wird kurz nach dem Zünden von frischem nachströmendem Gemisch in den Abgaskanal verdrängt, sobald der abwärts wandernde Kolben den Zustromkanal freigibt. Mit der Hochdruck-Direkteinspritzung lässt sich die Benzinzufuhr nun exakt dosieren. Über den Zustromkanal kommt nur noch Luft. Gemischbildung und Verbrennung wer den elektronisch geregelt. Holger und Lars Arens versichern, dass sich mit ihrem Motor alle Emissionsvorgaben einhalten lassen. Das beim Zweitakter notwendige Öl im Kraftstoff wird separat zugegeben über Bohrungen in der Kurbelwelle.
Aber ist der Motor wirklich leise? "Wir arbeiten mit einem Dämpfer, der das Geräusch hinter dem Motor schräg abwärts zum Wasser hin ableitet", sagt Lars Arens. ,,Außerdem nutzen wir den Wassermantel des Kühlsystems gleichzeitig für die Geräuschdämmung. Unser Motor soll nicht lauter sein als ein Viertakter." Es ist geplant, 2013 zunächst etwa 500 Motoren herzustellen. Die Firma Arens hat dazu ein Kooperationsnetzwerk mittelständischer Unternehmen ins Leben gerufen. Arens 'selbst wird die Montage ausführen und zu den bislang zwölf Mitarbeitern vier weitere einstellen.
Weitaus größer ist das Vermarktungsrisiko. Denn die kleinen Mittelständler treten in direkte Konkurrenz zu  Konzernen mit etablierten Marken wie Yamaha, Honda, Suzuki, Mercury, Johnson und Mariner. Über den Preis kann Arens in diesem Wettbewerb nie erfolgreich sein. Im Gegenteil. Arens -Motoren werden sogar etwas teurer sein als die am Markt gängigen Modelle. Ein 30-PS-Viertakter von Yamaha kostet derzeit ab 5500 Euro.

Gedacht als Nischenprodukt

"Wir begreifen unseren Motor als Nischenprodukt für Individualisten", erklären die Firmenchefs. So bezeichnen sie Kunden, denen es wichtig ist, einen besonders kleinen und leichten Motor zu besitzen, dessen Kompaktheit außerdem ein futuristisch gestyltes Gehäuse zulässt. Individualisten, das sind für sie auch Kunden, die nach Jahrzehnten deutscher Abstinenz auf dem Bootsmotoren-Markt wieder mal ein innovatives einheimisches Produkt bevorzugen. Die Gespräche mit Händlern haben begonnen.

Medium: Lausitzer Rundschau
Autor: Rolf Bartonek

 

25. Juli 2011 - Ein Stinker wird zum Saubermann

Die Berliner Metallbaufirma Arens verhilft dem Zweitaktmotor zu einer neuen Perspektive

BERLIN. Politisch mag der Trabant ein Revolutionssymbol sein. Technisch aber steht er für das Ende der Zweitakt-Ära, dessen blaue Abgasfahne nicht auf denselben Wendebonus wie die Spree-waldgurke hoffen konnte. Das Brummen moderner Viertakt-Motoren mit ihren besseren Umwelteigenschaften hat seither den so charakteristischen Reng-deng-deng-Sound nur noch in Nischen überleben lassen. Doch auch wenn der Zweitakt-Motor dem Osten Deutschlands nicht allein gehörte, hat er hier tief gewurzelt. Vor ein paar Tagen stellte eine kleine Firma aus Berlin-Weißensee eine überraschende Eigen-entwicklung vor. Der Arens RVI 30 ist ein erstaunliches Projekt. Ab 2013 soll er - leicht und kompakt wie kein anderer - vor allem Freizeitsportboote durch Gewässer schrauben.

Kaum europäische Hersteller

Gegenüber einem großen Kaufland-Markt betritt man an der Romain-Rolland-Straße 24 in Weißensee ein schmuckloses Industriehof-Ambiente. Männer in Latzhosen, lichtblaue Stahltüren, bröcklige Betonböden, quer geparkte Autos mit teils offener Motorhaube - das Ungewöhnliche gibt sich unauffällig. Harmlos auch der Name: Arens Metallbau. Was der Firma von Holger und Lars Arens (Vater und Sohn) zunächst auch entspricht. Der Zwölf-Mann-Betrieb verdient mit Zäunen bis hin zu Trägern für Solar-Glasfassaden das Täglichbrot. Dass sie eine Motorenentwicklung betreiben, scheint dagegen wahnwitzig.

Aber nur solange, bis man Einblick in die Arens-Familiengeschichte bekommt. Schon in den DDR-60ern frisierte Großvater Rudolf Zweitakter, um damit erfolgreich K-Wagen-Rennen, dem ostdeutschen Pendant zum Gokart, zu bestreiten. In der Schrauber-Materie aufgewachsen, baute Sohn Holger in den 80ern in der eigenen Firma selbst entwickelte Zweitakter für die kleine DDR-Rennboot-Szene. Er wurde selbst zum erfolgreichen Piloten in der Nationalmannschaft, bis er ausgerechnet 1990 schwer verunglückte -was den Motorenbau vorläufig zum Erliegen brachte. Dessen Sohn Lars aber konnte es nicht hindern, sich in Frankreich für den Automobilrennsport ausbilden zu lassen, um wenig später Maschinenbau zu studieren.

"Im Rennsport denkst du pausenlos darüber nach, welches Motordetail du noch verbessern könntest, um ein paar Zehntel herauszuholen," erklärt Holger Arens die Entstehung der hauseigenen Kompetenzen. "Irgendwann kennst du die Stellschrauben, aber auch ihre Grenzen." Zwangsläufig wurde der RVI 30 wieder ein Zweitakter. "Natürlich war da immer der Wunsch, die eigenen Ideen mit den neuen technischen Möglichkeiten auszuloten", erklärt Lars Arens die um das Jahr 2000 getroffene Entscheidung, den Motorenbau wieder aufleben zu lassen. Aber sie war nicht nur der Familien- und Wassersporthistorie, sondern auch gründlicher Marktrecherche geschuldet.

Europäische Hersteller von Außenbordmotoren, die Zweitakter für den Freizeitwassersport anbieten, gibt es kaum. Meist stammen sie aus Fernost, meist haben sie Viertakter im Programm. Die verbrennen zwar relativ sauber Benzin oder Diesel, sind aber recht aufwendig konstruiert, schwer und nicht selten teuer. Der Arens RVI 30 (30 PS), wie seine Väter ihn nach etlichen Testläufen beschreiben, wiegt samt Getriebe und Schraube nur 50 Kilogramm, kaum die Hälfte vergleichbarer Viertakter. Er soll fast ein Fünftel sparsamer und zugleich deutlich sauberer sein. Wofür Lars Arens unter anderem die selbst entwickelte sehr kleine Kraftstoffeinspritzpumpe und deren elektronische Steuerung verantwortlich macht. Durch die Hochdruckeinspritzung sei die typische Abgasfahne verschwunden, das Motorengeräusch spürbar leiser geworden. Ob auch der Preis des Motors günstig sein wird, bleibt abzuwarten. Die Entwickler hoffen, ab 2013 mit 500 europaweit verkauften Einheiten profitabel zu sein. 2010 konnte die Branche 217 000 Außenborder in Europa absetzen.

In dem Projekt stecken 150.000 Euro Fördergelder aus dem Topf des Bundeswirtschaftsministeriums. "Dadurch konnten wir die dreijährige Entwicklungszeit durchhalten", sagt Firmenchef Holger Arens. Das Engagement belegt trotz dämmerndem Elektrozeitalter einen langsamen Imagewandel des Zweitakt-Prinzips. Zunehmend geraten dessen Vorteile wieder in den Fokus. Das wegen der einfacheren Konstruktion geringere Gewicht, nun gepaart mit moderner Steuertechnik, lässt den Ruf vom lauten, schmutzigen Spritfresser langsam verblassen. Holger und Lars Arens hoffen, mit ihrem leichten RVI 30 kleinere Bootsklassen motorisieren zu können, für die die handelsüblichen Außenborder untauglich sind.

Ihre Messergebnisse liegen im Trend. So ist der frühere Chef der VW-Motorenentwicklung Peter Hofbauer dabei, den Zweitakter auch im Automobilbau gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Zhongding wieder zu etablieren. Der von seiner amerikanischen Firma Ecomotors entwickelte EM100 D lässt sich mit Diesel, Benzin oder Gas betreiben. Er soll deutlich kleiner und bis um die Hälfte leichter als entsprechende Viertakter sein, sich im Verbrauch um 15 bis 50 Prozent sparsamer erweisen. Was Geldgeber wie Bill Gates oder Sun- Microsystems-Mitbegründer Vinod Khosla bewog, in das Projekt mit einzusteigen.

Energiebranche ist interessiert

Darüber hinaus bieten sich kleine Zweitakter auch als Reichweitenverlängerer in E-Autos an, die das Nachladen der Batterie oder das Beheizen übernehmen könnten. Dieser Idee kann Professor Christian Beidl vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen Darmstadt einiges abgewinnen. "Solche Motoren lassen sich für bestimmte Betriebsbereiche relativ gut optimieren." Auch die Energiebranche ist hellhörig geworden. "Wir könnten uns vorstellen, diesen Motor mit Erdgas in kleinen Kraft-Wärmekopplungsanlagen einzusetzen", sagt Gerhard Schulz vom Ingenieurbüro für Antriebs- und Industrietechnik. Es scheint absehbar, dass Holger und Lars Arens noch viel unterwegs sein werden. Wie praktisch, dass ihr Motor in eine normale Reisetasche passt.

Medium: Berliner Zeitung
Autor: Martin Woldt

 

01. Mai 2011 - Öl-Falle und Top-Motor

[...] Aus Berlin kommt ein emissionsarmer Zweitaktverbrennungsmotor der Firma Arens 2T-Motoren mit modularer Hubraumabstufung, in dem Kraft- und Schmierstoff getrennt voneinander "arbeiten": Das Aggregat, das zum Beispiel in Sportbooten eingesetzt werden kann, reduziert die verbrannten Schmierstoffanteile im Vergleich zu herkömmlichen Zweitaktern auf ein Minimum. [...]

Medium: Wirtschaft und Markt
Autor: Hans Hansen